Jugenderinnerungen des Malermeisters und 2. Vorsitzenden
des Heimatvereins - Michael Hößl
über die Grafenwöhrer-Vorstadt,
ihre Bewohner und deren Hausnamen. (Zeitraum 1908-1910)

Hiermit möchte ich meine Jugenderinnerungen aufzeichnen und damit die Einwohner der Vorstadt von Grafenwöhr festhalten wie sie in den Jahren 1908-1910 zur Zeit der Errichtung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr- bekannt waren.
Meine Erinnerungen gründen auf mein eigenes Wissen und Erzählungen meines verehrten Großvaters Johann Hößl, geb. 1848 und meiner Tante Magdalena Hößl, Stichnwirtin Hs. Nr. 98, verstorben 1922.
Das sogenannte „Stoddamm“ mit Stadttor

Michael Hößl 1904 - 1978

Meine Erzählung beginne ich am Stadttor und Stadtweiher.

Von der Vorstadt zum Stadttor führte der sogenannte „Stoddamm“ (Stadtdamm), ein von der uralten Stadtbefestigung herrührender, künstlich aufgeschütteter Damm, welcher das Wasser des Thumbaches anstaute und dadurch den Stadtweiher bildete. Die darauf angelegte Zufahrts-strasse war seinerzeit noch nicht gepflastert wie jetzt, sie hatte noch das aus Kieselsteinen gebildete Pflaster und war sehr holprig. Am Brückengeländer der gemauerten Stadtbrücke war noch deutlicher als heute, die Jahreszahl der Erbauung sowie der Bauherr - „Stadtgemeinde Grafenwöhr“ der Name des Erbauers, „Mauerermeister Koberger“ zu lesen.

Links vom Tor, (in Richtung Vorstadt) ins Wasser gebaut, stand das hölzerne Haus mit Mühlenrad (der Radstube) der Stadtmühle.

Rechts vom Tor, ins Wasser gebaut, die hölzerne Sperrvorrichtung zum Anstauen des Wassers und seitlich eine Wasserbrücke, welche von den Frauen der Stadt zum Wäschefleihen eifrig benützt wurde. Zu erwähnen ist auch der alte Backofen, von denen es in der Stadt verteilt mehrere gab, die zum Brotbacken der Haushaltungen bis nach dem 2. Weltkrieg noch benützt wurden. Wegen des dort öfters gebackenen Brotkuchens, -von Jung und Alt begehrt, -ein vielbesuchter Aufenthaltsort.

Von der Brücke aus, (der Stadtdamm) entlang der Straße führte ein eisernes Schutzgeländer, um nicht ins Wasser zu fallen. Das Denkmal des hl. Nepomuk stand auf demselben Platz ungefähr wie heute, jedoch die Bäume die sich dort befinden, wurden erst vom Heimatverein Grafenwöhr um das Jahre 1922 von dem eifrigen Förderer Hans Siller gepflanzt, ebenso die Trauerweiden die heute noch den Stadtweiher umgeben. Häuser befanden sich auf der linken Seite der Straße noch nicht. Bis zur heutigen Straßenkreuzung gab es links und rechts sogenannte „Peindl“ das sind Wiesenflecken, welche der Familie Karl Adam und Hofmann (Wagner) („Wousterer“) gehörten, rechts dem „Beckn Baptist“. In diesen Wiesenflecken gab es die ersten Frühlingsblumen die von den Schulkindern gerne für ihre Lehrer gepflückt wurden. Nicht vergessen möchte ich die im Stadtweiher verankerten Fischstubn des Pappenberger-Fischers, welche uns Buben auch zum Fischfang in fremden Gewässern verführten. Manch fetter Karpfen hat in dieser Stubn seine letzten Stunden verlebt.

Auf der linken Seite der Straße (Richtung Vorstadt), hart ans Wasser gebaut, erstand um die Jahre 1910/11 das „Homeier Haus“. Von der Familie Brunner Schmiedemeister, erbaut. Das Haus steht auf einen Pfahlrost und kann als erster Betonbau im Kellerfundament - seinerzeit etwas neues - betrachtet werden. In den Wiesen unterhalb des Stadtdammes links finden wir das „Sieber Häusl“ und das alte „Baderhaus“ Stammhaus des Schindler Bader und der Hebamme Fr. Ott. Die Gastwirtschaft Daubenmerkl wurde in den Entwicklungsjahren des Truppenübungsplatzes 1912/13 errichtet. Etwas früher das große Eckhaus an der Straßenkreuzung „Kaufhaus Deyerling“. Von der Gastwirtschaft Daubenmerkl über den Wiesenfleck hinweg führte ein 1 Meter breiter Weg der „Kirchsteig“ in Richtung zum Eisendstadl als Abkürzung. Besonders im Winter war der „Stoddamm“ immer windig und kalt und mancher Hut flog in die Wiesenflecke, da der Wind von Westen her fegen konnte. Fortsetzung folgt

 


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