Evang.-Luth. Kirchengemeinde Grafenwöhr-Pressath

75 Jahre Michaelskirche Grafenwöhr




Zu Beginn unseres Jahrhunderts finden sich nur vereinzelte Evangelische im Umkreis von Grafenwöhr, die sich aus Forstleuten zusammensetzten; sie wurden von Kaltenbrunn aus betreut.

Zum Beispiel weist die Volkszählung am 1. Dezember 1875 für Grafenwöhr 927 Einwohner nach, darunter 2 evangelische Christen und 1 Juden.

Der große Wandel tritt ein, als der Truppenübungsplatz in Grafenwöhr angelegt und 1910 eröffnet wurde. Durch den Zuzug von Militärangehörigen, Beamten, Arbeitern und Geschäftsleuten wuchs die Zahl der Evangelischen, so daß regelmäßige Gottesdienste eingeführt wurden: ca. 12-15 im Jahr.

Den ersten evangelischen Gottesdienst - nach langer Zeit - hielt Pfarrer Sauer aus Kaltenbrunn am Sonntag Jubilate (17. April 1909).

Als "Kirche" diente ein kleiner Saal in der Munitionsanstalt am Ringbahnhof im Truppenlager. Im Jahr 1911 erfolgte die Gründung des "Evangelischen Vereins Grafenwöhr-Eschenbach und Umgebung", der als ersten Vorstand Oberamtsrichter Höhn aus Eschenbach wählte.

 

Schon zwei Jahre danach wurde konkret ans Bauen gedacht und der "Protestantische Kirchenbaufond Grafenwöhr" gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte Pfarrer Fuchs aus Kaltenbrunn, der später Militärgeistlicher für den Truppenübungsplatz Grafenwöhr wurde.

Mit der kostenlosen Überlassung eines Baugrundstückes durch das K. Staatsministerium der Finanzen war zwar ein wichtiger Schritt für die ca. 300 in Grafenwöhr wohnenden Evangelischen gewesen sein, doch gleichzeitig war ja auch ein Ultimatum gestellt.

DerAusbruch des ersten Weltkriegs vereitelte vorerst das Bauvorhaben, brachte aber tausende evangelische Soldaten nach Grafenwöhr.

Der frühere Raum in der Munitionsanstalt war nun für die Gottesdienste zu klein und Weihnachten 1914 wird zum ersten Mal im schönen, großen Saal der Offiziersspeiseanstalt IV (Kasino) der Gottesdienst gehalten.

Ende 1916 reicht auch dieser Raum als "Kirche" nicht mehr aus, so daß eine ganz andere Lösung gefunden werden mußte.

Vom Kirchenbau-Ultimatum waren nun schon über vier Jahre verstrichen und die Verhältnisse nach dem Krieg äußerst ungünstig.

Unter Pfarrer Krodel (1. 10. 20 - 31. 7. 23) muß jedoch der Gedanke an den Kirchenbau mit größter Anstrengung vorangetrieben worden sein, denn am 2. Pfingstfeiertag 1923 - mitten in der lnflationszeit - erfolgte die Grundsteinlegung.

Nach 16 Wochen (!) Bauzeit war die Michaelskirche fertiggestellt. Als Baumaterial diente Holz aus dem Truppenübungsplatz, als Material kamen gebrauchte Nägel zum Einsatz.

Am 9. September1923, nachmittags um 16.00 Uhr erfolgte die Einweihung durch Kreisdekan Prieser aus Bayreuth. Die Beteiligung war sehr groß, auch von katholischer Seite aus. Der katholische Stadtpfarrer Bertelt hielt eine Ansprache und beglückwünschte die evangelische Gemeinde.

DER KIRCHENVORSTAND W. NEUBAUER, Pfarrer



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