Jugenderinnerung des Malermeisters und 2. Vorsitzenden des
HV - Michael Hößl (1904-1978) über die Grafenwöhrer-Vorstadt,
ihre Bewohner und deren Hausnamen.
(Zeitraum 1908-1910 niedergeschrieben 1968 - 1970)

Fortsetzung  
Wir begeben uns nun in die „Alte Amberger Straße“ und finden bereits in dieser Zeit die Bäckerei Wohlgut, Hausname „Wohlgut“ wo es auch damals schon handwerksgerecht, geflochtene Spitzel und „Schloissemmeln“ das Stück um 5 Pfennig gab, auch am Sonntag morgen. Die beiden Anwesen „Steger Haus“ damals „Karl Schneider“ und Wittmann, Hausname „Wirtschuster“, stehen heute noch wie damals unverändert. Gegenüber der Bäckerei Wohlgut befand sich seinerzeit das „Mockenbinner“ Anwesen, ein erdgeschoßiges Haus, wie die beiden Nachbar-Anwesen, das „Goldonkel Haus“ heute Bernhard und das „Drachaner Anwesen“, der Familie Schultes, heute noch gehörend.

Auf unserer Wanderschaft durch die vordere Stadt begeben wir uns nun in eine Sackgasse, „auf die Wousten“. Auf dem etwas ansteigenden Gelände finden wir die Anwesen, wie heute noch, der Familie Rubner „Hausname Gimbl“, und des „Fleckl Schneiders“ Keck. Eine Reihe von 5-6 Städeln, seinerzeit noch mit Stroh bedeckt, bilden den Abschluss der Sackgasse. Auf der anderen Seite residiert der sogenannte „Woustenkönig“ Wagnermeister Hofman, als Imker und Heimatförderer ebenso bekannt. Wir finden noch das kleine Haus der Geschwister Hörl, welches von der Metzgerei Grafberger später erworben wurde. Wandern wir nun weiter in der Alten Amberger Straße. Die Metzgerei Grafberger ist auch in den Entwicklungsjahren 1911/12 umgebaut worden, vom jetzigen Besitzer, welcher aus dem Gebiet des Truppenübungsplatzes - von der Schmierhütte - ausgesiedelt wurde. Als dessen Nachbarn finden wir das Anwesen der Pappenberger-Fischer, einem alten Fischer Geschlecht, welches in den vielen der Umgebung befindlichen Fischweihern das Fischereirecht anvertraut war. Die Familie führte in dieser Zeit bereits ein Spezerei-Geschäft. Als nächsten Nachbarn begegnen wir der Schuhmacherfamilie Keck. In all den angeführten Anwesen wird nebenbei Landwirtschaft betrieben, 2-3 Stück Rinder können gehalten werden, Pferde gab es seinerzeit nur selten. Zwischen den Anwesen Keck, Schuster, „Hausname Melwer“ und dem König Schmalz Michl Uhrmacherhaus, auch um das Jahr 1910 erbaut, lief in früheren Jahren der sogenannte „Schapfgraben“. Ein aus der ehemaligen Stadtbefestigung stammender Wasserablauf vom Wehr kommend. Wir kommen nun zum Anwesen der Zimmererfamilie Neidl, und schließlich die Reihe mit dem „Rimmerer Haus“ Renner als Besitzer. Heute Schuhhaus Keck. Etwa 20 Meter entfernt, auf derselben Seite alleinstehend finden wir das Anwesen „Kernbauer“ heute der Familie Brunner, Schlosser. gehörend, immer noch in erdgeschossiger Bauweise. Als letzte Häuser der vorderen Vorstadt kommen

Besitzer Familie Dorsch. - damals wurde auf diesem Anwesen eine Gastwirtschaft betrieben welche in den Entwicklungsjahren als „Dreimäderlhaus“ bekannt wurde und wegen seines Wirtsgartens, sich eines guten Zuspruchs erfreuen konnte. Zwei kleine Gütler-Anwesen bilden den Abschluß: Mit Hausnamen „beim Friedl Hansl“ und „beim Keckn Michl“, heute Friseurgeschäft. Auf dem Platz wo jetzt das Postamt und der Gasthof Hubertus stehen waren seinerzeit bereits die ersten Äcker. Begeben wir uns wiederauf die linke Seite der Alten Amberger Straße so finden wir gegenüber dem Uhrmacher König Haus,das Anwesen der Familie Hofmannn, Hausname
„Moiermichl“, so wie heute noch. Als Nachbarn die Familie Meißner, Hausname „Gregori“ und das „Wegmoister“ Anwesen der Familie Pscherer, welche auch eine Spezereihandlung neben der Landwirtschaft betrieben. In diesem Hause wurden 2-3 Pferde gehalten. Auffallend ist das die letzten genannten drei Anwesen alleinstehend gebaut waren. Nach etwa 30 Meter kommen wir zum Forstamt - Garten mit staatlichem Forstgebäude und großer Scheune. Im Garten standen schattige Bäume, von denen einige heute noch stehen dürften. Dann begannen auch auf dieser Seite bereits die Äcker der Flur Abtlg. Alte Amberger Straße. Fortsetzung folgt

 


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