Ihre Herkunft und Deutung,
mit Beispielen aus Grafenwöhr
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Hausnamen sind in Bayern und in vielen benachbarten
Regionen zuhause. Besonders auf dem Land bilden sie ein noch
allgegenwärtiges Phänomen, mit dem die Menschen
ihre Nachbarschaft und ihre Höfe voneinander
unterscheiden. Häufig traten in Städten und
Dörfern die gleichen Familiennamen mehrfach auf, und da
sich die Auswahl der in früheren Zeiten üblichen
Vornamen meist auf einige wenige biblische Namen oder
Heiligennamen beschränkte, boten die Hausnamen ein
notwendiges Unterscheidungsmerkmal. |
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Hausgeschichte |
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Viele Hausnamen haben durch lange mündliche, mundartliche Überlieferung und durch fehlende orthographische Regeln ihre Form über die Jahrzehnte und Jahrhunderte so stark verändert, daß sich ohne einen Blick in die Archive deren Ursprung nicht mehr rekonstruieren läßt. Ansatzpunkt ist die Hausgeschichte, die Suche nach den früheren Hausbesitzern. Eine besonders ergiebige Quelle bietet der Grundsteuerkataster, der für die Oberpfälzer Gemeinden um 1840 erstellt wurde. Diesem lassen sich alle damaligen Hausbesitzer und i.d.R. auch die Hausnamen entnehmen. Noch weiter zurück führt der Häuser- und Rustikalsteuerkataster (für Grafenwöhr 1812 angelegt). Weitere mögliche Quellen sind Listen von Abbrändlern bei größeren Stadtbränden (Grafenwöhr: 1841, 1870, 1880), Einquartierungslisten bei Truppeneinquartierungen (Grafenwöhr: 1758). Ergiebig sind in aller Regel Steuerkataster, weil man bei diesen immer um eine vollständige Erfassung der steuerpflichtigen Bürgerschaft bemüht war. Sehr hilfreich aber auch sehr zeitaufwendig sind die Briefprotokolle des 18. Jahrhunderts. In ihnen sind alle privaten Rechtsgeschäfte, insbesondere die Grund- und Hausverkäufe verbrieft und protokolliert. |
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Systematik der Hausnamen |
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Bei der Sammlung und Deutung der Hausnamen
kristallisieren sich gewisse Regeln heraus, nach denen sich
die Hausnamen bilden. Auffällig ist die häufige
Verwendung von Berufsbezeichungen und von Vor- und
Nachnamen. Manche Hausnamen bleiben über Jahrhunderte
stabil, andere verändern sich ständig. Dabei
spielt es eine Rolle, ob ein Haus häufigen
Besitzwechseln unterworfen ist, oder lange im Besitz einer
Familie bleibt. Zeigt sich ein Besitzer recht
geschäftstüchtig, ist er "bekannt wie ein bunter
Hund", dann kann es passieren, das sein Name den
traditionellen Hausnamen seines Wohnhauses ablöst. |
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a) Familiennamen |
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Ist der Familienname des Besitzers identisch mit
Hausnamen so ist das meist ein Hinweis, daß eine
Familie schon lange im Besitz des Hauses ist. Dies gilt in
Grafenwöhr für die Hausnamen Koberger, Biersack
und Zechmaier. |
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b) Vornamen |
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Bei Vornamen kristallisieren sich zwei Entstehungsregeln heraus. zum einen können seltene Vornamen einen Hausnamen prägen (Gregore, Albertn, beim Tobias*, Rudolph*), am verbreitesten war jedoch die eben erwähnte Verbindung des Vornamens mit Berufsbezeichnungen oder Familiennamen. Da die Vornamen mitunter starken mundartlichen Veränderungen unterworfen sind, die auch der Einheimische nicht immer nachvollziehen kann, zur Erläuterung hier einige Beispiele: |
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mundartlicher Name |
Deutung |
Beispiel |
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Adl |
Adam |
Giradl, Giftadl |
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Barthl, Battl |
Bartholomäus |
Hackerbattl |
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Ferdl |
Ferdinand |
Binerferdl |
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Girg, Gierch |
Georg |
Giradl, Kramergirgl |
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Gregori |
Gregor |
Gregori |
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Haner |
Heinrich |
Haner, Hanergirgl |
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Hannes, Kannes |
Johann, Johannes |
Bäckerlinlkannes |
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Helm |
Wilhelm |
Helm* |
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Kannaran |
Konrad |
Kannaranbauer |
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Lenl, Linl |
Leonhard |
Bäckerlenl |
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Lenzl |
Lorenz |
Lenzl, Schneiderlenz |
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Martl, Mirtl |
Martin |
Mahlermirtl |
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Mukl |
Nepomuk |
Böhmmukl |
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Nazi |
Ignatz |
Kollernazi |
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Nikl |
Nickolaus |
Nickl |
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Öller, Eller |
Ullrich |
Öller |
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Rëis |
Andreas |
Wongerrëis, Batznrëis |
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Simmerl, Siemer |
Simon |
Poppensimmer |
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Thama, Dama |
Thomas |
Wongerdama |
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Veit, Veitl |
Vitus |
Kramerveith, Lindenschmiedveith |
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Wastl |
Sebastian |
Bräuwastl |
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Wendl |
Wendelin |
Kullerwendl, Wenderl* |
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Wolf |
Wolfgang |
Binnerwolf, Wolfadl |
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Zacherl |
Zacharias |
Poppenzacherl |
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c) Berufe |
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Berufsbezeichnungen treten meist, wie an obigen
Beispielen gezeigt, in Verbindung mit Namen auf
(Mockenbeck). Doch es gibt auch andere Möglichkeiten.
So z. Bsp. standortbezogene Ergänzungen: Torwirt,
Torwagner, Torschuster (der Wirt, Wagner oder Schuster am
Stadttor) oder Schaumbachmüller. |
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mundartlicher Schreibung |
Beruf |
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Beck |
Bäcker |
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Binner, Biner |
Büttner, Faßmacher |
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Draxler |
Drechsler |
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Hofner |
Hafner, Töpfer |
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Melber |
Mehlhändler |
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Mulzer |
Gehilfe des Kommunbrauers |
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Remerer |
Riemerer, Sattler |
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Wonger |
Wagner |
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d) Funktionen |
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Einige Häuser dienen einer festen Zweckbestimmung,
die über Jahrhunderte unverändert blieben. Dazu
gehören in erster Linie die Rathäuser, Kirchen,
Benefiziatenhäuser, Schulen, Hirthäuser,
Armenhäuser und Kommunbrauhäuser. |
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e) andere Bezeichnungen |
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Es gibt Hausnamen die fremde Ortsnamen beinhalten und
dadurch einen Hinweis geben, daß ein früherer
Hausbesitzer von auswärts zugezogen ist, so z. Bsp. der
Neimackner (Neumarkter) oder der Bambergerlenz. Letzterer
ist vermutlich nicht aus Bamberg zugezogen, sondern er
stammte aus dem nur wenige Kilometer entfernten Vilsecker
Raum, der früher dem Fürstbistum Bamberg
zugehörig war. |
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Hausname |
mögliche Deutung |
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beim Bartlkrupperten* |
ein verkrüppelter namens Bartholomäus |
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Drachaner |
Dragoner, ein Kavalleriesoldat |
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Gmeiner |
Gemeiner, der gemeine, einfache Soldat |
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Grieslgierch |
ein Georg der zum fürchten, zum Gruseln war 3 |
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Rumpler* |
der Hausnamensträger war Drechsler von Beruf, der Name kann daher von dem rumpelnden Geräusch seiner Drehbank abgeleitet sein |
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Suderer |
der Sudler oder Garkoch 4, oder: von sudern: jammern, sich beschweren |
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Wandernde Hausnamen |
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Die Bezeichnung "Hausname" täuscht eine feste
Bindung des Namens an ein Haus vor. Daß dem nicht so
ist, erkennt man an der Tatsache, daß sich Hausnamen
verändern können. Noch deutlicher wird dies, wenn
wir "wandernde Hausnamen" betrachten. Häufig ist es
nämlich zu beobachten, daß der Hausname enger an
die Person gebunden ist, als an das Haus. So kommt es vor,
daß Söhne, die von Zuhause ausziehen, ihren
ererbten Hausnamen auf das neuerworbene Haus
übertragen. Oft kommt es dabei - zur besseren
Unterscheidung - zu einer Hausnamenserweiterung. So wurde z.
Bsp. aus dem Beckerlihnl ein Beckerlihnlkannes* und aus dem
Lindenschmied ein Lindenschmiedveith. Die Erweiterung ist
aber nicht zwingend. Der Hausname Kramerveith wanderte in
Grafenwöhr in drei Generationen über drei
Häuser weiter. Die neuen Häuser verloren ihren
alten Hausnamen. Gerade die letzten gezeigten Beispiele machen deutlich,
wie eng Haus- und Hausnamensforschung zusammenhängen.
Erst der Nachweis eines Hausbesitzers oder -bewohners mit
dem entsprechenden passenden Namen oder Beruf, erlaubt es
eine eindeutige Deutung eines Hausnamens
durchzuführen. |
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Vgl. Karl Menner, Hausnamen-ihre Entstehung und ihre Eigenschaften dargestellt am Beispiel Lupburg, in: Die Oberpfalz 3 (1993), S. 72. |
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Johann Andreas Schmeller, Bayerisches
Wörterbuch II. Bd., |
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Leonore Böhm: Gössenreuth und seine Flur- und Hausnamen, in: Die Oberpfalz 11/12 (1986), S. 341 ff. |
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Schmeller II, Sp. 229. |
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