Jugenderinnerung des Malermeisters und 2. Vorsitzenden
des HV - Michael Hößl (1904-1978)

über die Grafenwöhrer-Vorstadt, ihre Bewohner und deren Hausnamen.
(Zeitraum 1908-1910 niedergeschrieben 1968 - 1970)

Die Ritter von Epp-Str., heute Alte Amberger Str.,
mit Blick vom heutigen Lagereinfahrt (Wache 1) in Richtung Stadt.
Links Fotohaus Spahn, Cafe Spahn, Theresienheim, Gärtnerei Knörr. Rechts Cafe Beer

Fortsetzung

Wir kommen auf unserer Wanderung zu Straßengablung: Amberger Straße und Vilseckerstraße, welche weiter draußen am „Kreuzschlag“ wieder die Abzweigung nach Pappenberg über Grünhund und somit in Richtung Nürnberg aufwies.
Eine schöne Birkenalle führte in dieser Richtung, wovon weiter draußen heut noch Bäume vorzufinden sind.

Besonders erwähnen möchte ich den im Anwesen „Bicherl“, stehenden Lerchenbaum der sehr alt ist (1999 gefällt, Anm. d. Red.). Von seiner Gattung finden wir an der Amberger Straße weiter draußen im Übungsplatz-Gelände weitere Zeitgenossen.

„Wenn wir nun um das Jahr 1912-1914 über die sogenannte „Ambergerstraße“ hinaufwandern, begegnen wir den Neubauten rechts dem Örtl Haus, dem Weißkopf Haus, jetzt Theresienheim, Koller Haus, dem Cafe Spahn und dem Foto Spahn, sämtliche Anwesen Neubauten z. Zt. der Truppen Übungsplatz Errichtung.
Auf der linken Seite der Ambergerstraße ebenfalls als Neubauten, dem Rauh, (Schaumbachmüller) Anwesen, der Bäckerei Seidl, treffen auf die Neubauten von Clemens Deyerling, vom „Spitzel Steffn“ Anwesen heute Kohlenhandlung Brunner und dem Cafe Beer, einstmals Kaufhaus Beer.

Bis zum Lager Eingang, welcher sich früher beim Militärgasthaus befand, heute Offiziers Mess Gebäude finden wir nur Äcker und einen freien Exerzierplatz hinterm Foto Spahn Anwesen.
Die Evangelische Kirche, 1923/24 erbaut steht auf einem Acker, auf dem ich noch als Kind Kartoffeln gegraben habe und der unser Eigentum war.

Nur die wenigen Apfelbäume an der Amberger Straße werfen ihre sauren Äpfel, ebenso wie damals in den Straßengraben. Das Wahrzeichen von Grafenwöhr, der Wasserturm, in diesen Jahren erbaut, grüßt ehrfürchtig die alte Straße. Wieviel Tausende Soldatenstiefel haben sich an ihr wohl seither abgetreten? All die nach 1912/14 erbauten Häuser an der Amberger Straße wurden 1945 beim Bombenangriff zerstört und sind nicht mehr in der ursprünglichen Bauweise aufgebaut worden.

Wenden wir uns nun dem sogenannten „Alten Weg“, der Straße zum Friedhof zu. Einstmals der übliche Weg in Richtung Kaltenbrunn vor der Erbauung der neuen Amberger Straße, die in den Jahren 1907/08, vor der Errichtung des Truppen- Übungsplatzes als Umgehungs-Straße entstanden ist.

Meine Erinnerung weiß noch das alte bestehende Haus der Familie Renner-Sattler, das niedere alte Stammhaus der „Huterer“ der Familien Deyerling, mit Cramladen, wo man neben Backsteinkäse u. Salzheringen, das Salz und das Petroleum, seinerzeit wichtige Güter, ebenso wie den Strohhut und die Wagenschmiere kaufen konnte.
Daran anschließend stand in einem Garten das Häusl des Komunbräumeisters „Meisl“. Wir finden tief im Schapfgraben hineingebaut das Anwesen Witt (Klinger), wie heute noch.

Vor den beiden Häusern stand der Gemeinschafts-Brunnen der vorderen Vorstadt gegenüber dem Backofen, welcher an seinem Platz heute noch vorzufinden ist. An derselben Stelle, wie heute befand sich auch die Städelreihe die zu den Vorstadt Anwesen gehörten, seinerzeit alle noch mit Stroh bedeckt.
Es dürfte im Jahr 1908 gewesen sein, als ich eines morgens durch Glockenleuten und Alarmrufe des Feuerwehrhornisten, damals der alte Schneider Lenz, aus dem Schlaf geschreckt wurde. Der gellende Ruf „Feuer - Feuer“ seinerzeit wirklich noch ein Schreckensruf, ertönte von der Straße.

Als ich zum Dachbodenfenster hinaus sah, stand in westlicher Richtung eine ungeheuere Feuersäule, welche im Morgengrauen die Friedhofskirche hell erleuchtete. Es war der erste Großbrand den ich in Grafenwöhr erlebte. Zitternd kroch ich in die Nähe der Mutter vor Angst. Gegen Vormittag kam mein Vater kohlschwarz und durchnässt vom Löschdienst der Feuerwehr heim und erzählte was alles abgebrannt ist. Er jammerte, das die Feuerwehrschläuche vom Stadtweiher zur Brandstelle kaum ausreichten für zwei Spritzrohre und das man wegen der großen Hitze mit den Löscheimerketten kaum an den Brandherd herankommen konnte.

Das Huterer-Haus, das Renner-Haus, das Meisl-Haus als Brandherd, und das Anwesen „Jahn Hofmann-Glaser“ sind Opfer des Großfeuers geworden. Dieser Brand, dürfte der Anlaß zur Erbauung des Kaufhauses Deyerling am Straßeneck weiter vorne gewesen sein. Ebenso des jetzigen Renner Hauses. Zu jener Zeit gab es dann in der heutigen Sattlergasse die Anwesen „Meiler-Mirtl-Meiler Sattler, und das „Knierhaus“ und Jahn Anwesen.
An der heutigen Nebenstraße - an den Wiedgärten - finden wir damals die noch hölzernen und mit schindelbedeckten Häuser der Familie „Nickl Schuster und der Familie Schwemmer“, kleine Landwirtschaftliche Anwesen mit Stadel nebenan, vor dem Haus immer die übliche Dungstätte, mit Streuhaufen.

Die beiden letzten Anwesen wurden bereits zur unteren Vorstadt gezählt, zu deren näheren Schilderung ich nun kommen will. Vor der Erbauung der neuen Amberger Straße wickelte sich der Verkehr über die Stichn Bruck, den Felsweiherdamm in Richtung Gmünd u. Pechhof nach Parkstein u. Weiden ab. Meine Erinnerung reicht noch zurück auf die alte, hölzerne Stichn - Bruck mit Wehranlage. So genannt, weil neben der Brücke das Stichn Wirtshaus mit Zolleinnehmerstelle für den früher üblichen Brückenzoll stand. Grundmauern dieses Anwesens sind in den Keller-Gewölben der alten Städel erkennbar.

Fortsetzung folgt

 


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