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Von Olaf Meiler
Etwa 100 Jahre ist es her, dass man im bayerischen Kriegsministerium
auf die Suche nach einem geeigneten Gelände für einen neuen Truppenübungsplatz
ging. Zwischen 1903 und 1906 waren Offiziere damit beauftragt, verschiedene
Landstriche auf ihre Eignung für die Übungstätigkeit der Feldartillerie
zu überprüfen. Der Raum um Grafenwöhr war dabei wegen seines hohen Anteils
an Sumpf- und Morastflächen zunächst als ungeeignet abgelehnt worden.
Doch die militärisch besser geeigneten Gelände erwiesen sich in der
Ablösung als zu kostspielig, und so kam Grafenwöhr zum Zuge.
Für Grafenwöhr sprach vor allem die Tatsache, dass 2/3
des Geländes Staatsforst waren, so dass nur noch die Restflächen abgelöst
werden mussten. Zudem war das Gebiet nur dünn besiedelt. Nur knapp 300
Menschen wurden ausgesiedelt. Zwei weitere Faktoren sprachen für Grafenwöhr.
Die Stadt hatte seit 1904 einen Eisenbahnanschluss, was den Truppenantransport
erleichterte, und sie verfügte über reiche Trinkwasservorräte, die problemlos
die Versorgung von drei Brigaden sicherstellen konnten.
Ab dem Gründungsjahr 1908 nahm der Truppenübungsplatz
langsam Gestalt an. Im April des Jahres nahm die Garnisonsverwaltung
ihre Arbeit auf, und fünf Jahre lang dominierten zivile Arbeiter auf
dem Gelände, die zum Aufbau der Verwaltungs-, Unterkunfts-und Versorgungsgebäude
angestellt waren. 1913, nach Abschluss der meisten Arbeiten, errichtete
man in Grafenwöhr eine Garnison für das 3. Bayerische Feldartillerieregiment
,,Prinz Leopold“. Grafenwöhr nahm mit dem Truppenübungsplatz eine sprunghafte
Entwicklung. Die zahlreichen in der Stadt wohnenden Arbeiter ließen
die Einwohnerschaft von 1909 bis 1910 von 961 auf 1841 um das Doppelte
ansteigen. Die Soldaten und die vielen Arbeiter boten einen wachsenden
Absatzmarkt für das lokale Gewerbe und von außen zogen etliche neue
Betriebe zu.
Der 1. Weltkrieg
Während des 1. Weltkrieges waren die Soldaten weitgehend im Fronteinsatz.
Reges Leben herrschte dennoch, denn im Truppenlager Grafenwöhr entstand
das größte Kriegsgefangenenlager in Bayern, das zeitweilig bis zu
23 600 Kriegsgefangene beherbergte.
In der Regel waren es französische und russische Gefangene, vereinzelt
auch Angehörige anderer Nationen. Neben Soldaten waren hier auch etwa
1800 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, interniert. Das Kriegsende
1918 brachte einen radikalen Szenenwechsel über Grafenwöhr.
Die Revolution ergriff im November 1918 auch den Truppenübungsplatz,
und ein Arbeiter- und Soldatenrat entzog dem kommandierenden General
das Kommando. 1919 kamen die bayerischen Truppen nach Grafenwöhr zurück
und wurden hier aufgelöst.
Der Versailler Friedensvertrag bestimmte die Reduzierung der deutschen
Truppen auf 100 000 Mann. Der Einsatz schwerer Waffen war verboten.
Der wirtschaftliche Aufschwung, den das Militär nach Grafenwöhr gebracht
hatte, brach mit einem Schlag ab. Die Stadt hatte keine Garnison mehr,
es übten nur noch wenige Soldaten auf dem Platz, und dies auch nur noch
im Sommer.
Platzerweiterung
In den dreißiger Jahren schlug das Pendel wieder in die andere Richtung
aus. Die von der nationalsozialistischen Führung betriebene militärische
Aufrüstungspolitik war ökonomisch gesehen für Grafenwöhr von Vorteil.
Die 1935 gegründete Wehrmacht und die wieder eingeführte Wehrpflicht
brachte erneut junge Soldaten zu Tausenden auf den Truppenübungsplatz.
Das Geschäftsleben florierte wieder, und die Kantinen und Wirtshäuser
machten reichlich Umsatz.
Was dem Grafenwöhrer Wirtschaftsleben zugute kam, wurde für manche Dörfer
in der Umgebung zur Katastrophe. Mit den neuen Truppen kam auch die
neue bewegliche Panzertruppe ins Land, die mehr Platz zum Üben brauchte.
Folgerichtig hat man den Übungsplatz nach Westen hin erweitert. 3500
Menschen in 57 Ortschaften mussten schließlich in den Jahren von 1936
bis 1939 ihre Häuser räumen und ihre Heimatorte verlassen.
Eine eigens gegründete ,,Reichsumsiedlungsgesellschaft“,(RU- GES) kümmerte
sich um die Aussiedlung der Menschen. Sie versuchten sich in der Nähe
ihrer alten Heimat anzusiedeln und viele von ihnen gingen nach Grafenwöhr,dessen‚
reger militärischer Betrieb neue Arbeitsplätze versprach. Vielen Bauern
war allerdings daran gelegen, ihr Auskommen weiterhin in der Landwirtschaft
zu haben.
Sie siedelten auf freigewordene Bauernhöfe um, deren Ankauf durch die
RUGES vermittelt wurde. Einen besonderen Versuch, sich ein Stück Heimat
zu erhalten, unternahmen die Bewohner von Pappenberg. 25 Familien aus
Pappenberg gründeten in Wolfskofen bei Regensburg ein neues Dorf, in
dem ein Stück der alten Dorfgemeinschaft weiterleben konnte.
Hier entstand“ eine neue Kirche, die mit den Altären und anderen Einrichtungsgegenständen
der alten Pappen- berger Kirche ausgestattet wurde. In das verlassene
Gelände des Truppenübungsplatzes zogen die Soldaten ein. Das Ostlager
Grafenwöhr wurde erweitert, bei Vilseck errichtete man ein neues Südlager.
Auch ein Westlager war geplant, das aber infolge des Krieges nie ganz
fertig gestellt wurde. Der erweiterte Platz erlaubte es, 1939 eine Übung
abzuhalten, an der 100000 Soldaten und 14000 Pferde teilnahmen.
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