Jugenderinnerung des Malermeisters und 2. Vorsitzenden
des HV - Michael Hößl (1904-1978)


über die Grafenwöhrer Vorstadt, ihre Bewohner und deren Hausnamen.
(Zeitraum 1908-1910 niedergeschrieben 1968 - 1970)


Mit der Errichtung der Eisenbahn zum Militärbahnhof 1908 wurde die hölzerne Stichnbruck abgerissen, durch eine feste Betonbrücke erbaut, unter dem Bauleiter Buche sowie Bauing. Keul.
Den Er zählungen meines verehrten Großvaters zufolge, welcher von 1848 - 1928 lebte, brannte im Jahre 1840 das alte Stichn Wirtshaus an der Bruck mit einen größeren Teil der Vorstadt ab. Meine Urur Ahne die Witwe des damaligen Stichn Wirts wollte nun an anderer Stelle - feuersicherer- wiederaufbauen.
Sie ging - nach der Erzählung in ledernen Pantoffeln- an die Regierung nach Amberg, wurde dort nach Regensburg verwiesen. Da sie wenig Geld hatte führte sie auf dem Schubkarren 2 Sack Korn mit um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Nach etwa 14 Tagen kam sie mit Plananweisungen für die Neuanlage der Vorstadt zurück. Begeben wir uns nun an den Anfang der Neuen Amberger Straße so finden wir rechts das Anwesen des Baptist Keck, Hausname „Beckn Teufl“. Auf dem gut situierten Anwesen war ein Braurecht, es wurde daher die Zoiglwirtschaft neben der Bäckerei und ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb unterhalten, welcher im Viehbestand auch Ochsen gestattete.
Wir kommen nun zum alten Gasthof „Grüner Kranz“ der Familie Eisend.

Das jetzige Gebäude stammt aus dem Jahre 1932/33, da das alte um diese Zeit abbrannte. Noch heute finden wir aber das kleine Kegelbahnhäusl zwischen Eisend und Keck, an dieser Stelle wurde früher eine Kegelbahn unterhalten. Viele Jahre wurde auf diesem Anwesen der Poststall und Pferdefuhrbetrieb geführt.

Unser Blick zeigt uns nun die vorbildlich angelegte, weite Reihenbauweise rechts und links der Neuen Amberger Straße. Diese Häuserreihen dürften in den Jahren 1840/50 aufgrund der Regierungs Anweisung von Regensburg entstanden sein. Die Häuser hatten durchwegs einen gewölbten Keller, im Erdgeschoß größere Stube, eine Kammer, den großen Hausplatz, im altdeutschen Kamin eine Feuerstelle, die zugleich Räucherkammer war.
Der Viehstall befand sich meistens im Hause.

Auf dem Dachboden befand sich noch eine Kammer, der Heuboden und ganz oben der Getreidespeicher. Alle Häuser waren aus Bruchstein (Sandstein) gemauert und hatten hartes Ziegeldach. So können wir folgende Bewohner feststellen:
Hs. Nr. 93 links Familie Buchfelder „Hausname Neumarker“
Hs. Nr. 94 links Familie Schultes „Hausname Wongeradl“
Hs. Nr. 95 links Familie Reiter „Hausname Mirtl-Steinmetz“
Hs. Nr. 96 links Familie Hofman Hans „Hausname Buml Andres-Stierhalter“
Hs. Nr. 97 links Familie Fiedler Georg „Hausname Fiedler Girgl Junggeselle“
Hs. Nr. 98 links Familie Mathäus Hössl „Hausname Stichn Wirt“
Hs. Nr. 99 links Familie Raß Lorenz „Hofner Buzi“
Hs. Nr. 100 Links Familie Specht Lorenz„Hausname Schneider Lenz“

Die Reihe wird nun unterbrochen. Wir finden das alte Harrer-Schmiede Haus, das in einen Vorgarten eingefaßte Schreml Anwesen, heute Pappenberger Bäcker, dahinter das langgestreckte Schwarzschuster Anwesen der Familie Meiler. Diese drei Häuser sind beim Vorstadt Brand nicht mit abgebrannt und daher älter. Ebenso das alte „Karladl Anwesen, eine Bierwirtschaft und Metzgerei mit Wirtsgarten und Kegelbahn.Das Haus der Jahn Mauerer, jetzt Lautner an der Pechhoferstraße, ebenso das Dummlerhaus an der Brücke sind jüngeren Datums.

Meine Vorstadt Beschreibung um 1910 wird fortgesetzt nun auf der rechten Seite
der Neuen Amberger Straße:

Hs. Nr. 125 Familie Pscherer „Hausname Poppensimmer“
Hs. Nr. 124 Familie Angerer Peter „Hausname Keuser-Kramladen“
Hs. Nr. 123 Familie Keck Adam „Hausname Hansadl“
Hs. Nr. 122 Familie Hutzler Hans „ Hausname Hutzler“
Hs. Nr. 121 Familie Hössl Wolfgang „ Hausname Hösslwolf-Schreiner“
Hs. Nr. 120 Familie Hössl Johann „ Stichn Jud (mein Großvater)“

Hier wird die Reihe auf der rechten Seite ebenfalls unterbrochen wir finden damals ein sehr altes Holzbalkenhaus mit Schindeldach, sehr niedrig, das „Lenzl Haus“.
Es wurde 1913 abgerissen und durch das jetzige Haus der Familie Krauß Alfons ersetzt. Hs. Nr. 119. Neben diesem Haus befand sich der Gemeinschaftsbrunnen der unteren Vorstadt, ebenso der Backofen, welcher heute noch, allerdings unbenützt, seinen Platz behauptet.

Etwas an die Wiedgärten gedrängt steht nun das Gemeinde Hirtenhaus damals von der kinderreichen Familie Wächter bewohnt, Nr. 118 und das „Wolfladl“ Anwesen, der Zimmerersfamilie Hofmann Wolf. Nr. 117. In die alte Baulinie gerückt finden wir noch auf der rechten Seite Hs. Nr. 116 ein kleines Anwesen, genannt „Wasserdick“ jetzt Familie Paul Hofmann. Dann kommt das Anwesen der Familie Walberer, Hausname „Zahlmeister“, die Vorfahren waren königliche Beamte, daher der Hausname.

In diesem Hause wurde bereits um 1910 ein Spezereigeschäft betrieben. Hier findet die Häuserreihe ihr Ende, denn der sogenannte Schapfgraben tritt nun in größerer Breite und Tiefe an die Straße heran. Über den Graben, auf einer kleinen Anhöhe, etwa 6-8 Meter finden wir noch zwei kleine Häuser, der Waldwärter Schreml und Hildburger. Die Anhöhe wird Geisenberg genannt. Gegenüber dem Schapfgraben auf der linken Straßenseite befinden sich seiner Zeit noch die Anwesen der Familien Böhm Gustl, Nr. 103 eine Bierwirtschaft, weiter das Anwesen des Konrad Meiler, Nr. 104 Hausname „Rauch Schreiner“, dann kommt mein Elternhaus, das Grüner Anwesen Hs. Nr. 105 und als letztes in der Reihe, das Biersack Haus Nr. 106 welches den Abschluß bildet.

Von hier aus mündet das Gelände in eine tiefe Sandgrube, vom Straßenbau herrührend und den Rest des Schapfgrabens, welcher hier in den Flußlauf des Thumbaches mündet. Das alte Gemeinde-Armenhaus am Bachufer, ist heute noch ebenso unzeitgemäß, wie ehemals vorzufinden. Die Neue Amberger Straße ist hier auf einem aufgeschütteten Damm fortgesetzt, welcher den Schapfgraben überquert , davon ist heute nichts mehr zu sehen, da nun auch die seinerzeit gepflanzten Lindenbäume verschwunden sind.

Fortsetzung folgt

 


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