Eröffnung einer königlich bayerischen Postexpedition
mit Poststall am 16. Oktober 1830 in Grafenwöhr
Hermann Dietl

Fortsetzung

Fortsetzung III. Damit die Gegend von Kemnath und Wunsiedl mit Bayreuth und den Hauptkursen zwischen Hof, Bayreuth und Nürnberg, dann Eger, Amberg, Nürnberg und Regensburg für Reisende und Frachtstücke in gute Verbindung gesetzt werde, ist folgendes verfügt worden:
1) Eine zweispännige Diligence geht am Mittwoch Morgens 6 Uhr in Bayreuth ab, nach Kemnath, Wunsiedl, und Mitterteich, wo sie Abends gegen 7 Uhr ankommt, und von wo sie am Donnerstag um 7 ½ Uhr Abends wiederum zurück nach Bay- reuth fährt, und dort am Freitag Morgens gegen 8 Uhr eintrifft.

2) Am Montag zwischen 6 und 7 Uhr Mor- gens geht eine Jnfluenz von Wunsiedl nach Gefrees, und von da am nämlichen Tage nach Wunsiedl zwischen 2 bis 3 Uhr Nachmittags zurück.

3) Mittwochs Abend 8 Uhr geht eine Jnflu- enzfahrt zu Wunsiedl ab nach Hof, und kehrt von da am Donnerstag um 2 Uhr Nachmittags nach Wunsiedl zurück. Auf erwähnte Diligence und Jnfluenzfahrten haben alle für die Diligenc-Kurse bestehende Verordnungen ihre Anwendung.

Regensburg, den 22. September 1830
Königliche Regierung des Regenkreises (Kammer des Innern) von Linck, Präsident

Erklärung: 1 Post sind 2 Meilen (= 14,8289 km)
Der zugeteilte Poststempel war ein Einzeiler in Antiqua-Schrift. Als Abschläge sind nur solche in schwarzer Farbe bekannt. Briefe aus Speinshart und Eschenbach wurden überwiegend in Kirchenthumbach aufgegeben. Bis 1847 sind Belege aus Pressath bekannt, die auch in Kemnath und in Kirchenthumbach aufgegeben wurden.

Nachfolgend einige Verordnungen, die Grafenwöhr betrafen:
Aus dem Verordnungs- und Anzeigenblatt für die Königl. Bayer. Posten Nr. 20 vom 21.8.1842.
Abänderung und Vermehrung von Postverbindungen betr.

II. zwischen Nürnberg und Eger
III. zwischen Würzburg und Eger

Mit dem Beginn der tägl. Eilwagenfahrten zwischen Nürnberg und Eger, dann Würzburg und Eger treten ab 1. September l. Js. an in den Nebenverbindungen folgende Änderungen ein:

Zu II. und III.
c) zwischen Thumbach und Grafenwöhr finden wöchentlich 4 Botengänge statt, nämlich von Thumbach nach Grafenwöhr am Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag um 5 Uhr früh, zurück an demselben Tage um 3 Uhr Nachmittags.
d) aufgehoben werden:
3) die Briefpostritte am Sonntag von Bay- reuth nach Amberg und von Amberg nach Bayreuth über Grafenwöhr und Kemnath.
4) der Botengang von Weiden nach Gra- fenwöhr und zurück am Sonntag.

Verordn. U.Anz.Bl. Nr.17 vom 5.7.1842 S. 104

Nach Umstellung der Straßendistanzen auf das geometrische Längenmaß wurde die Postentfernung ab 1.7.1842 festgesetzt von Grafenwöhr nach Freihung 3, Kemnath 5, Kirchenthumbach 4 und Weiden 6 ½ Stunden.

Abbildung der Originalverfügung zur Aufhebung der Freihunger Poststation.
Verordn. U.Anz.Bl. Nr.16 vom 28.6.1845 S. 83

Vermehrung und Abänderung von Postverbindungen
In Folge höchster Ministerial-Entschließung treten vom 1. Juli l.J. neue Eilwagenfahrten, dann Vermehrungen und Veränderungen bei bereits bestehenden Postverbindungen, wie nachsteht ein:
D. Tägliche Botenposten
XIX. zwischen Grafenwöhr und Kirchenthumbach
aus Grafenwöhr
tägl. 3 Uhr Nachm. im Sommer
tägl. 1 Uhr Nachm. im Winter
aus Kirchenthumbach
tägl. 5 Uhr Früh im Sommer
tägl. 7 Uhr Morg. im Winter
in Kirchenthumbach
tägl. 6 Uhr Abends im Sommer
tägl. 4 Uhr Abends im Winter
in Grafenwöhr
tägl. 8 Uhr Früh im Sommer
tägl. 10 Uhr Morg. im Winter

Am 15.10.1846 wurde der Abschnitt „Lichtenfels-Neuenmarkt“ (bei Kulmbach) der Eisenbahnlinie von Nürnberg nach Hof eröffnet und es sollte eine Eilwagenverbindung von Kulmbach über Bayreuth nach Eger errichtet werden. Die Verhandlungen zogen sich hin, denn es sollte die kürzeste Verbindung über Kemnath, Erbendorf, Tirschenreuth nach Eger hergestellt werden.
Nachdem sich aber die Straße von Kemnath nach Erbendorf und von Falkenberg nach Tirschenreuth in einen sehr schlechten Zustand befand, nahm man lieber einen Umweg in Kauf. Noch dazu konnte die Stadt Weiden mit einbezogen werden.
Ab 1.10.1847 wurde diese Postkutschenlinie zwischen Bayreuth und Weiden installiert und es wurde gleichzeitig eine kgl. bayer. Postexpedition mit Poststall in Pressath eröffnet. Dies brachte sofort einschneidende Maß-nahmen für die Grafenwöhrer Post mit sich.
Zuerst wurde der Poststall - und 3 Jahre später die Postexpedition in Grafenwöhr aufgehoben.

Dazu wurde folgendes im November und Dezember 1847 veröffentlicht:
Verordn. U.Anz.Bl. Nr.34 vom 8.11.1847 S. 198

Cours Notizen
Unter Aufhebung der bisherigen Botengänge zwischen Grafenwöhr und Kirchenthumbach bestehen seit dem 1. November tägl. Botengänge zwischen Grafenwöhr und Pressath, und zwar um 5 Uhr Abends aus Grafenwöhr, um 6 Uhr Früh aus Pressath, welche am letzteren Orte mit dem Kulmbach-Weidener Eilwagen im genauen Zusammenhange stehen.
Verordn. U.Anz.Bl. Nr.37 vom 3.12.1847 S. 209

Die Aufhebung des Poststalles zu Grafenwöhr betr.
Mit höchster Ministerial-Genehmigung wurde der Poststalldienst zu Grafenwöhr unter Beibehaltung der dortigen Briefpostexpedition aufgehoben, was hiedurch zur Wissenschaft und Abänderung der Postkarte bekannt gemacht wird.
München, den 30. November 1847.

Zum 31.12.1849 wurde dann die Postexpedition in Grafenwöhr aufgehoben:
Am 1. November 1849 brachte Bayern als erstes Land in Deutschland Briefmarken heraus, die folglich nur 2 Monate in Grafenwöhr verwendet werden konnten!! Diese sind größte Seltenheiten. Mir sind bisher noch keine Marken bzw. frankierte Briefe bekannt, die mit dem Grafenwöhrer Stempel entwertet wurden.

Verordn. U.Anz.Bl. Nr.5 vom 9.2.1850 S. 18
Die Aufhebung der Postexpedition zu Grafenwöhr betr.
In Folge der Aufhebung der Postexpedition zu Grafenwöhr werden die dieser Expedition vordem zur Bestellung zugeteilten Orte Bruckendorf, Gmünd, Gössenreuth, Grafenwöhr, Netzaberg, Römersbühl und Wolfslegel, sämtliche im Landgericht Eschenbach gelegen, in den Bestellbezirk von Pressath überwiesen.
München, den 30. Januar 1850.

Am 1. Juli 1851 wurde in Eschenbach eine königlich bayerische Postexpedition mit Poststall eröffnet, die vom Bestellbezirk Pressath die Orte Burkhardsreuth, Gössenreuth, Netzaberg, Netzart im Thal, Pichlberg, Preißach, Römersbühl und Wolslegel zugeteilt bekam. Grafenwöhr und Gmünd verblieben beim Bestellbezirk der Postexpedition von Pressath.
Knapp ein Jahr später wurde dies verändert:
VO u. Anz. Bl. Nr.32 vom 4.5.1852 S. 163
Zuteilung der Stadt Grafenwöhr z. Bestellbez. der Expedition Eschenbach betr.

Auf Ansuchen der Stadtgemeinde-Verwaltung zu Grafenwöhr, k. Landger. Eschenbach, ist diese zur Zeit dem Bestellbezirke der Exped. In Pressath einverleibte Stadt nebst der Gemeinde Gmünd der Postexpedition zu Eschenbach zur Bestellung überwiesen worden.

Sämtliche Postanstalten erhalten hievon unter dem Auftrage kenntn. Bei der Leitung und Taxierung der Postsendungen nach Grafenwöhr und Gmünd sich hienach zu achten und in dem geogr. Postlexikon S. 172 Nr. 701 und Seite 156 Nr. 239 die entsprechenden Abänderungen vorzunehmen. München, den 29. April 1852.

Abbildung eines Briefes vom Forstamt Kulmain an das „Forstrevier Gmünd in Grafenwöhr“ vom 17.11.1853, mit Aufgabestempel Kemnath, der über Pressath nach Eschenbach lief und von dort zugestellt wurde.

Mit Schließung am 31.12.1849 dauerte es fast 11 Jahre und zwar bis zum 1. November 1860, bis wieder eine kgl. bay. Postexpedition mit Poststall in Grafenwöhr eröffnet wurde.

 


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