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Alter
Pfarrhof - Heimatmuseum vom 1. Mai 1932 bis 8. April 1945
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von
Werner Biersack
Das Jahr 2002 ist für den Heimatverein Grafenwöhr von
besonderer Bedeutung, weil heuer runde Jahreszahlen an Ereignisse
aus der Vereinsgeschichte erinnern.
So jährt sich zum 110. Mal die Gründung des Heimatvereins,
der am 19. Juni 1892 zum Zwecke der Verschönerung von Grafenwöhr
und Umgebung ins Leben gerufen wurde. Der Gründungsvorsitzende
dieses Verschönerungsvereins war Lehrer Johann Effenkammer.
Sein Nachfolger, Forstmeister Gottlieb Sohlbank, wählte als
Hauptaufgabe der Vereinsaktivitäten die Bepflanzung des Annabergs
und das Anlegen von Wegen zur und um die Bergkirche.
Nach diesen ersten Aktionen erlahmte die Vereinsaktivität
bis zum Jahre 1912. Nach einer Neugründung des Verschönerungs-vereins
am 10. März 1912 - also vor 90 Jahren - unter der Leitung
von Benefiziat August Bertelt wurde die Anpflanzung auf dem Annaberg
weiter betrieben. So entstand der Birkenhain an der Annabergkirche.
Brauereibesitzer Florian Göppl und Wagnermeister Andreas
Hofmann setzten sich darüber hinaus auch für die Bepflanzung
des Ostabhanges am Schönberg ein.
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Kastenhaus
- Heimatmuseum von 1956 bis 1987
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In
den 20er Jahren wurde u.a. der Festplatz und die Naturbühne
auf dem Schönberg zur Abhaltung von Johannisfeierlichkeiten
und Theateraufführungen vom Verschönerungs-verein aus
dem ehemaligen Buchfelder-Steinbruch errichtet.
Neben diesen Tätigkeiten, welche zur landschaftlichen Verschönerung
der Stadtumgebung beitrugen, existierten vor 80 Jahren auch erste
Pläne, in Grafenwöhr ein Museum zu errichten. Oberlehrer
und Heimatforscher Hermann Schenkl, der auch die Geschichte
von Grafenwöhr 1926 herausgegeben hatte, war Initiator
für die Entwicklung einer heimatgeschichtlichen Ausstellung.
Unterstützt vom damaligen 1. Vorstand Hans Siller gelang
es Andreas Hofmann bei Michael Meier im ehemaligen Alten
Pfarrhof zwei Zimmer für den Aufbau eines Museums kostenlos
zu erhalten. In den Wintermonaten 1931/32 sammelte Andreas Hofmann
eine Vielzahl von historischen Gegenständen.
Voll des Lobes hob Hermann Schenkl die Leistungen des Wagnermeisters
hervor: Es muss mit besonderer Auszeichnung und Hervorhebung
der unermüdlichen Tätigkeit des Wagnermeisters Andreas
Hofmann gedacht werden. In Sturm und Regen, Tag für Tag...wanderte
er von Haus zu Haus, kroch auf staubigen Böden, durchstöberte
alle Ecken, verwandte seine ganze Beredsamkeit, schluckte viel
Staub und vielleicht noch mehr Ärger und ließ alle
Widerwärtigkeiten mit unerschütterlicher Ruhe abprallen...
Man kann mit Fug und Recht sagen, dass gut neunzehntel von der
Arbeit und vom Erfolg auf das Konto Hofmann zu buchen sind.
Am 1. Mai 1932 - also vor 70 Jahren - wurde das Heimatmuseum
Grafenwöhr im Alten Pfarrhof feierlich
im Beisein der Geistlichkeit, des Bürgermeisters Karl Meiler,
der Stadträte und der Dienststellenleiter des Truppenübungsplatzes
Grafenwöhr eröffnet. Etwa 1000 Gegenstände aller
Art konnten die Gäste und dann später die Museumsbesucher
staunend bewundern.
Auch in der Folgezeit setzte sich Andreas Hofmann für die
weitere Ergänzung der Exponate ein und sammelte in Grafenwöhr
und Umgebung Haushaltungsgeräte, Handwerkzeug, Waffen, Bücher,
Bilder uvm. Er stellte sogar auch seine eigene Gesteins- und Holzsammlung
dem Heimatmuseum zur Verfügung.
Nachdem die Vertreter der Stadt Grafenwöhr im selben Jahr
dem Verein weitest gehende Unterstützung zugesichert hatten,
wurde der Verschönerungsverein in den Heimatverein
Grafenwöhr umbenannt. Seit 70 Jahren gibt es nun den
Heimatverein Grafenwöhr. Andreas Hofmann übernahm bis
1935 anstelle von Hans Siller den Vorsitz. In diesem Jahr legte
er aber sein Amt wieder nieder, weil ihn die nationalsozialistischen
Vereinseinschränkungen keine eigenen Initiativen mehr erlaubten.
Sein Vorgänger Hans Siller übernahm nun wiederum die
Vorstandschaft. Sein besonderer Verdienst ist mit Unterstützung
von Bürgermeister Wolfgang Brunner die Planung und Gestaltung
des weiteren Ausbaus der Naturbühne auf dem Schönberg.
So konnte am 13. Juni 1933 durch die Bayerische Landesbühne
das Schauspiel Es brennt an der Grenze aufgeführt
werden. Für die auf dem Truppenübungsplatz übenden
Soldaten waren besonders die Theateraufführungen auf dem
Schönberg gern genutzte Freizeitveranstaltungen. Um erfolgreich
tätig zu sein, wurde von der Stadt vor 65 Jahren dem Heimatverein
1937 ein 99jähriges Verfügungs- und Verwaltungsrecht
über den Schönberg übertragen.
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Berggeist
Walter Birke auf dem Schönberg
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Die
Theateraktivitäten auf der Naturbühne des Schönbergs
wurden durch den 2. Weltkrieg genauso beendet wie die Verschönerungstätigkeiten
in der Stadt. Durch den schrecklichen Fliegerangriff am 8. April
1945 wurden nicht nur viele Soldaten und Zivilpersonen getötet
sondern auch große Wohnbereiche im Truppen-übungsplatz
und in der Stadt Grafenwöhr zerstört. Durch eine Bombe,
welche in der Alten Pfarrgasse niederging, wurden mehrere Menschen
getötet und auch das Heimatmuseum im Alten Pfarrhof
beschädigt.
Andreas Hofmann, der sich für die Entwicklung des Heimatmuseums
voll und ganz eingesetzt hatte, entfernte die noch erhaltenen
und vorhandenen Museumsgegenstände aus dem Alten Pfarrhof
und lagerte sie in seiner Wagnerwerkstätte und im Dachgeschoss
des 1537 erbauten historischen Kastenhauses ein.
Dort konnte dann unter der Vereinsleitung von Schneidermeister
Anton Peter und auf erneute Initiative von Andreas Hofmann, der
1950 zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden war, Albert Hößl
für die Renovierung der Exponate und zur Gestaltung der Ausstellungsräume
gewonnen werden. Diese ehrenamtliche Tätigkeit begann der
damalige Malergeselle Hößl im Jahre 1952 - also vor
50 Jahren-. Sein Vater, Malermeister Michl Hößl, aber
auch Josef Richter und Dominikus Kneidl standen ihm dabei zur
Seite.
Das wiedererrichtete Heimatmuseum Grafenwöhr wurde 1956 eingeweiht.
Bis 1987 war das Heimatmuseum wegen der fehlenden Temperierung
nur in den Monaten April bis Oktober jedes Jahr zugänglich.
Im 1992 eröffneten 1. OPf. Kultur- und Militärmuseum
sind in der Bauernstube und in der Kulturabteilung viele Gegenstände
ausgestellt, die Andreas Hofmann für das ehemalige Heimatmuseum
angesammelt hatte.
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Museumsanlage
des 1. OPf. Kultur- und Militärmuseums seit 23. Mai 1992
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Bild
Martin Hößl
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Neben
dieser Hauptaufgabe der ehrenamtlichen Museumskobolde, die jeden
Montag unter der Leitung von Anton Peter, Michael Hößl
und Josef Richter im Heimatmuseum tätig waren, müssen
vor allem die vielen handwerklichen Vorbereitungen für die
600 Jahrfeier der Stadt Grafenwöhr im Jahre 1961, die Bepflanzung
von Grünanlagen, die Erstellung von Ruhebänken und die
Erhaltungsbauten auf dem Schönberg genannt werden. So konnten
wieder Theateraufführungen auf der Naturbühne der Öffentlichkeit
präsentiert werden. Soweit es die Witterungsverhältnisse
zuließen, hat in den letzten Jahren die Kath. Theatergruppe
unter der Regie von Wolfgang Bräutigam jedes Jahr auf der
Naturbühne gespielt.
Auch die Feste des Heimatvereins lockten die Bevölkerung
auf den Schönberg. Von 1972 bis 1997 - also 25 Jahre - opferte
Walter Birke jede freie Minute, um den Schönberg dafür
vorzubereiten. Aber auch die vielen nicht genannten Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter und die Stadt Grafenwöhr haben stets dafür
gesorgt, dass die satzungsgemäßen Zielsetzungen des
Heimatvereins zum Tragen kommen konnten. Der Dank gilt hier stellvertretend
dem Bürgermeister Helmuth Wächter und den Mitgliedern
des Stadtrates. Dank ihrer Entscheidung konnten optimale Museumsräumlichkeiten
geschaffen werden, so dass das aus dem ehemaligen Heimatmuseum
Grafenwöhr entstandene 1. OPf. Kultur- und Militärmuseum
in seiner Thematik und Form einmalig in der Region ist. Der Heimatverein
als Träger und verantwortlicher Leiter des 1. OPf. Kultur-
und Militärmuseums will dazu beitragen, dass bei aller Weltoffenheit
und Globalisierungs-tendenz das Heimat- und Geschichtsbewusstsein
in unserer Heimatstadt erhalten bleibt.
Als Erinnerung an die erste Eröffnung des Heimatmuseums vor
70 Jahren werden ab 1. Mai 2002 in einer Sonderausstellung neben
dem Militärmuseum in der Bauernstube und der Kulturabteilung
Exponate aus der früheren Zeit und aus dem ehemaligen Heimatmuseum
und Bilder von Verantwortlichen im Heimatverein gezeigt.
Wie alles anfing ist die Thematik, zu der die Bevölkerung
herzlich im Rahmen der Museumsöffnungszeiten (Sonntag, Dienstag,
Mittwoch und Donnerstag von 14.00 bis 16.00 Uhr) eingeladen werden.
Diese Sonderausstellung wird bis 22. September 2002 präsentiert.
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